DOLPHINSWIM Institut & Reisebüro

Spezifische Präferenzen von Großen Tümmlern in der Alpha-Therapie

Evaluierung der verhaltensmodulierenden Faktoren durch welche Delphine auch über längeren Zeitraum hinweg in ihren Präferenzen speziellen Kindern beeinflusst werden (Einzelfallstudie).

Diplomarbeit der Biologie, Universität Graz

Autorin: Teresa Fritsch, Universität Graz 2010

Wissenschaftliche Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Heinrich Römer (Univ. Graz) Mag. Norbert Trompisch (Inst. Dolphinswim)

Die Präferenzen der Delphine

Diese Untersuchung widmet sich dem Verhalten der Delphine im Rahmen des Delphintherapieprogrammes “Alpha-Therapie”. Die zentrale Fragestellung ist, inwieweit das Verhalten der Delphine gegenüber dem Klienten spezifisch ist und was es konstituiert. Dabei soll vom generellen Präferenzverhalten (Alter, Grad der Einschränkung usw.) ausgegangen werden, in dieser Studie sind jedoch die individuellen Faktoren, also der Zusammenhang zwischen Klientenverhalten als auch physischen und psychischen Faktoren (Einschränkungen, Erwartungen etc.) des Klienten und Interaktionsschemen (falls diese erkennbar sind) mit dem Delphin von besonderem Interesse.

Bereits Linke und Brensing stellten fest, dass Delphine generell Kinder gegenüber Erwachsenen bevorzugen.58 Die Ergebnisse von Brensing zeigen außerdem, dass es bisher noch nicht bewiesen werden konnte, ob Delphine zusätzlich ein spezifisches Präferenzverhalten einzelnen Menschen gegenüber zeigen. Da es jedoch immer wieder – wenn auch kurze – Aufzeichnungen über Beobachtungen diesbezüglich gibt und mir auch Herr Mag. Norbert Trompisch von Präferenzen dieser Art berichtete, schien es mir interessant, daran weiter zu arbeiten.

Aus dem Interesse, dieses interessante Verhalten weiter zu studieren und der Strukturierung der theoretischen und praktischen Durchführung, hat sich dann schließlich ein Thema herauskristallisiert das ich zu meiner Diplomarbeit machte. Es geht in dieser Arbeit also einerseits um die Entwicklung einer Methode um das Präferenzverhalten von Delphinen messen zu können, und andererseits um die Durchführung am Beispiel eines Delphins so dass es möglich ist, die Umsetzung der Methodenentwicklung zu veranschaulichen.

Hypothese

Große Tümmler (Tursiops trunactus) zeigen gegenüber bestimmten Klienten ein spezifisches Präferenzverhalten welches auch über einen längeren Zeitraum hinweg stabil bleibt. Dies ist von speziellen verhaltensmodulierenden Faktoren abhängig welche sich evaluieren lassen. Unter einem Präferenzverhalten versteht man die offensichtliche (und messbare) Bevorzugung von einzelnen Therapieteilnehmern gegenüber anderen.

57 vgl. ebd., S.371ff 58 Linke & Brensing, Behaviour of dolphins towards adults and children during swim-with-dolphin programs and towards children with disabilities during therapy sessions. 2003, S.325

Fragestellungen

Mit folgenden Fragestellungen habe ich mich bei der Auswertung der Ergebnisse auseinandergesetzt:

• Gibt es ein offensichtliches Präferenzverhalten (abgesehen von der bereits beschriebenen Alterspräferenz)?

• Wenn ja: wie zeigt sich dieses Präferenzverhalten und wie lässt es sich messen?

• Auf welche Faktoren (z.B. Krankheiten) und Verhaltensmuster spricht der Delphin an und welche verweigert er?

• Unterscheidet sich die Art der Interaktion je nach Krankheitsbild/Verhaltensmuster des Klienten (Interaktionspräferenz)?

• Entwickelt der Delphin das Präferenzverhalten (und eventuell auch die spezifische Interaktionspräferenz) von Anfang an?

• Sind die Präferenzen über die gesamte Therapiedauer hinweg stabil? • Spielen auch die Erwartungen der Eltern/Angehörigen eine Rolle?

Methode

Zur Anwendung kommt ein für die Videoanalyse weiterentwickeltes Verfahren auf der Basis der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Ausgangsmaterial sind Videoaufzeichungen einer statischen Kamera, die den ganzen Pool im Blickfeld hat, als auch einer handgeführten Kamera, die Detailaufnahmen der Interaktionen bietet. Das Videomaterial wird annotiert und Verhaltenskategorien als auch deren Coderregeln definiert. Ein Interrater-Test mit einem Teil des Materials und 2 unabhängigen Kodierern gewährleistet die Validität der Kodierregeln unabhängig von Kodierer. Danach wird das ganze Material annotiert, kodiert. Die Daten werden in SPSS eingelesen und statistisch ausgewertet. Diese Methode gewährleistet die Nachvollziehbarkeit aller Verarbeitsprozesse von den Rohdaten bis zur Interpretation.

Ergebnisse

Anhand der gezeigten Studie ist es möglich, das Vorhandensein einer Präferenz des hier untersuchten Delphins und die Hintergründe zu diesem Verhalten zu beweisen. Die Methodenentwicklung zur Messung des Präferenzverhaltens kann als reproduzierbar bezeichnet werden, sie wurde wissenschaftlich überprüft und als durchführbar eingestuft. Sämtliche Definitionen und Codierungen sind ausreichend formuliert so dass jeder damit arbeiten kann und es jederzeit möglich ist, die Studie an weiteren Delphinen beziehungsweise Klienten zu wiederholen. Primär dient diese Diplomarbeit der Entwicklung einer Methode um das spezifische Präferenzverhalten eines Delphins messen zu können, sekundär wird diese aber auch getestet um die Möglichkeit der Umsetzung zu veranschaulichen.

So handelt es sich zwar nur um eine Einzelfallstudie, die Ergebnisse bilden jedoch den ersten Baustein in allen weiteren Studien dieser Art. Es konnte gezeigt werden, dass der untersuchte Delphin einerseits über ein definitives Präferenzverhalten verfügt, sowie andererseits auch über individuelle Interaktionspräferenzen. Anhand der Ergebnisse sieht man, dass der Delphin eine Vorliebe für leise und fröhliche sowie für kleine Klienten hat, und auch die Erwartungen der Angehörigen haben einen Einfluss auf das Verhalten des Tieres, so führen hohe Erwartungen häufig zu einer geringeren Interaktionszeit mit dem Delphin. Es wäre aus diesem Grund also mitunter sehr interessant, einen Vergleich durchzuführen in wie weit die bei jeder Therapiesitzung anwesenden Angehörigen den Therapieerfolg eher beeinträchtigen als fördern.

Das Ergebnis, dass der Delphin leicht Behinderte gegenüber schwer Behinderten bevorzugt, könnte darauf zurück zu führen sein, dass er von diesen Teilnehmern am meisten profitiert (in Form von Spiel). Dies ist jedoch nur eine Annahme die nicht als bewiesen angesehen werden kann.

Die Theorie Brensings jedoch, dass Tümmler Kinder gegenüber Erwachsenen bevorzugen, kann in dieser Studie – wenngleich in einem anderen Kontext – bestätigt werden. So sieht man beim Vergleich der Therapeutinnen-Präferenz, dass die Präferenz für Klienten immer höher ist als jene für die Therapeutin und dass in Anwesenheit von sowohl der Therapeutin als auch dem Klienten, die Präferenz für die Therapeutin quasi ausgeschaltet und somit unbedeutend wird. Da es sich bei 95% der Klienten um Kinder handelt, kann angenommen werden, dass dies zu einem großen Anteil auf die Bevorzugung von Kindern gegenüber Erwachsenen zurück zu führen ist. Doch auch die zweite Hypothese, dass Delphine ein verstärktes Interesse an einem durch eine Behinderung veränderten Körper haben, dass also jegliche Art von motorischer oder geistiger Beeinträchtigung vom Delphin wahrgenommen wird, konnte bestätigt werden. So wurde beispielsweise anschaulich gezeigt, dass der Delphin bei Klienten mit massiven Beinproblemen signifikant oft an den Beinen interessiert war. Dies lässt sich nur durch die Tatsache erklären, dass er in der Lage ist, die motorischen Auffälligkeiten wahrzunehmen. Auf neurophysiologischer Ebene bleibt es weiterhin fraglich in wie weit der Delphin fähig ist durch sein Sonar tatsächlich einen Einfluss auf das menschliche Gehirn zu haben (Alpha-Zustand). Es erscheint unrealistisch, dass Frequenzen in dieser Höhe das Gehirn stimulieren und zu einer Beruhigung und Entspannung führen sollen und dies müsste in einer eigenen Studie konkret gemessen und ausgewertet werden. Doch kann hier zumindest die Tatsache bestätigt werden, dass Delphine dazu tendieren, spezifisch auf jene beeinträchtigte Bereiche im Körper zu reagieren und an diesen vermehrtes Interesse zu zeigen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Stabilität der Präferenz. Die Hypothese, dass das Präferenzverhalten nicht variiert sondern auch über einen längeren Zeitraum hinweg stabil bleibt, kann verifiziert werden und bestätigt damit verstärkt das Vorhandensein einer Präferenz.

Es zeigt sich nun also, dass Delphine durchaus in der Lage sind, individuell auf jeden Klienten zu reagieren und dass sie aus diesem Grund mit Sicherheit auch einen positiven Einfluss auf den Menschen haben. Durch die Tatsache, dass sie verstärktes Interesse an den Fehlfunktionen des Körpers haben und vor allem dadurch dass die Neugierde daran auch über mehrere Tage und Wochen stabil bleibt (Stabilität der Präferenz), wird dem Klienten eine erhöhte bedingungslose Aufmerksamkeit geschenkt was in weiterer Folge zu Entspannung und vermehrter Ausgeglichenheit im Teilnehmer führen kann.

Die Tatsache dass Delphine gezielt auf die beeinträchtigen Bereiche im Körper reagieren, ist jedoch mit Sicherheit keine Handlung aus Altruismus, sondern vielmehr eine Aktion aus Neugierde und Spieltrieb. Dadurch dass sich der Therapiedelphin in Gefangenschaft befindet, ist er verpflichtet, auf irgendeine Art und Weise zu reagieren, beziehungsweise mit den Klienten zu interagieren. Zwar bleibt es ihm mehr oder weniger frei überlassen auf welche Weise er mit den Klienten interagiert, und auch hat er die Wahl welche Teilnehmer er bevorzugt, doch ist im Grunde immer ein Druck dahinter. Allein aus diesem Grund kann wohl kaum von Altruismus die Rede sein. Zwar kann die Annahme, dass der Delphin aus Helferverhalten handelt in dem er individuell auf die Klienten eingeht, auch in dieser Studie nicht 100%ig widerlegt werden, sie wird jedoch massiv angezweifelt.

Zusammenfassend kann man nun also sagen, dass zum einen das Vorhandensein eines spezifischen Präferenzverhaltens bei dem Delphin gezeigt werden konnte, sowie zum anderen dass dieses stabil ist und innerhalb weniger Sekunden entwickelt wird. Auch gibt es eine Interaktionspräferenz und der Delphin entscheidet sich nicht jeden Tag neu welche Interaktion er mit welchem Klienten präferiert, sondern bevorzugt pro Teilnehmer eine oder mehrere Arten der Kontaktaufnahme welche ebenfalls über längeren Zeitraum hinweg stabil bleiben.

Dem Ergebnis dieser Studie zufolge gibt es bestimmte Parameter die einen Menschen als guten Spielpartner auszeichnen (z.B. kleine Kinder welche die Therapie bewusst wahrnehmen und sich daran auch erfreuen können), und der untersuchte Delphin richtet sein Präferenzverhalten danach.

Es wurde im Rahmen dieser Studie eine Methode entwickelt mit der es möglich ist, die individuellen Präferenzen von Großen Tümmlern nachzuweisen sowie die Hintergründe zu diesem Verhalten zu erforschen. In weiterer Folge wäre es nun notwendig, die Methode an anderen Delphinen und Klienten anzuwenden um die Stichprobenanzahl zu erhöhen und einen guten Vergleich der Ergebnisse vorlegen zu können. Mit Sicherheit ergeben weitere Studien dieser Art eine Reihe von interessanten Erkenntnissen die sowohl für die Delphintherapie als auch aus verhaltensbiologischer Sicht von Bedeutung sind.

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